Gloria & Gloriette - Die Kamera










Kriegerin





Deutschland 2011
Regie & Drehbuch: Davin Wnendt
Darsteller: Alina Levshin, Sayed Ahmad, Jella Haase, Winnie Böwe, uva.
Kamera: Jonas Schmager
Länge: 102 Minuten
Ein junges Mädchen erhält Unterricht im Überlebenstraining am Meer. Der geliebte Großvater lässt sie einen mit Sand gefüllten Rucksack schleppen. Auf eine Frage seiner Enkelin nach der Zeit im Zweiten Weltkrieg und den Verbrechen an Unschuldigen reagiert er eindeutig: Es seien die Juden, die noch immer die Fäden ziehen. Der Keim ist gelegt. Jahre später ist Marisa in einer rechtsradikalen Clique und trägt passende Tattoos. Prügelt in der U-Bahn mit beim „Ausländerklatschen“. Die Liebesakte mit ihrem Freund aus dieser Clique sind von einer ebenso aggressiven Radikalität geprägt. Lediglich gegenüber ihrem Großvater im Krankenhaus verhält sie sich zärtlich und sensibel. Dies zeigt, dass sie auch verletzlich ist und nicht nur verroht, nicht nur angeblich frei von jedweden Schuldgefühlen. Das ist ein Teil des roten Fadens im Film der Protagonistin Marisa.
Es ist schwer, nicht hineingezogen zu werden in diesen Film. Mit größter Genauigkeit stellt er die Verrohung und Distanzlosigkeit einer Horde von jungen Erwachsenen im rechtsradikalen Milieu in einer beliebigen ostdeutschen Kleinstadt dar. Wie selbstverständlich tragen sie in ihrer eindimensionalen Welt ihren Hass und ihre Wut nach innen in der Gruppe und nach außen auf alles und jeden aus. Diese Welt erscheint im Film statisch und unveränderbar.
Marisas Geschichte wird jedoch von einem Ereignis geprägt, das sie verändern wird. In ihrer Wut drängt sie zwei Asylanten auf ihrem Moped in den Straßengraben. Nur einer, Rasul, scheint überlebt zu haben. Er sucht Unterstützung bei ihr zum Untertauchen und zur Flucht. Ihr zum Idol erhobener Großvater stirbt und sie erfährt von ihrer Mutter, dass er mitnichten ihrem Idealbild entspricht. Im Film unaufdringlich motiviert, verändert sich ihre Einstellung auf ihre bisherigen eindeutigen Zuordnungen. Die gleiche Brutalität, die sie als „Kriegerin“ eingesetzt hat, zeigt sie nun gegenüber denen, die sie verletzt haben, in ihrer Gruppe und ihrem Freund. „Man muss für alles bezahlen und gerade stehen für den Dreck, den man gemacht hat“. Ein Spruch ihres Großvaters als Lebensweisheit, der nun mit bitterer Konsequenz für sie eingelöst wird. Q: FBW

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Ausgezeichnet mit dem FBW-Prädikat: Besonders wertvoll


     

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