Gloria & Gloriette - Die Kamera










Am Ende eines viel zu kurzen Tages





Originaltitel: Death of a Superhero
Deutschland 2011
Regie: Ian Fitzgibbon
Drehbuch: Anthony McCarten (nach seinem Roman „Superhero“)
Darsteller: Andy Serkis, Thomas Brodie-Sangster, Michael McElhatton, Sharon Horgan, Aisling Loftus
96 Minuten

Die Pubertät an sich ist für Jungs schon eine echte Herausforderung: Das Leben wird kompliziert, die Schule nervt, überall lauern hormonell bedingte Tücken, Mädchen wollen umworben, aber nicht unbedingt erobert werden, und das Familienleben ist eine einzige Katastrophe. Doch bei Donald kommt noch etwas ganz anderes erschwerend hinzu: Er wird sterben, und zwar bald. Unaufhaltsam, unumkehrbar, unabänderlich. In seinen Comiczeichnungen versucht Donald zu verarbeiten, was ihn beschäftigt. Dann ist er ein Superheld, den die Frauen lieben und der den Tod bekämpft. Im wahren Leben allerdings ist Donald vor allem verwirrt, verstockt und aggressiv. Seine liebevollen Eltern wissen nicht, wie sie mit ihm umgehen sollen. Entweder verteilt Donald zynische Sprüche oder er ergibt sich einer verzweifelten Sprachlosigkeit, er ist aggressiv und wütend. Immer wieder denkt Donald an Selbstmord, und er provoziert sein Schicksal durch waghalsige Aktionen.

Also muss wieder ein Psychologe ran. Dr. King soll versuchen, sich Donald möglichst feinfühlig zu nähern. Keine einfache Sache, denn Donald ist hochgradig misstrauisch. Psychologen zu terrorisieren betrachtet er als sportliche Herausforderung. Aber Dr. King ist anders, jedenfalls keiner von diesen aalglatten Typen, deren geheucheltes Mitleid Donald auf den ersten Blick entlarvt. Donald fasst Vertrauen zu Dr. King und lernt, mit ihm zu sprechen. Und dann kommt Shelly an die Schule – ein kesses Mädchen, in das sich Donald prompt verliebt. Shelly traut sich was. Sie ist rebellisch und voller Sehnsucht, genau wie er. Während seine Freunde sich überlegen, wie sie Donald mit einer Frau zusammenbringen, damit er wenigstens einmal in seinem kurzen Leben Sex hat, erfährt Donald zusammen mit Shelly das Kurzprogramm der ersten großen Liebe inklusive Schmetterlingen im Bauch. Und er bekommt eine Ahnung von dem, was wichtig ist im Leben: Liebe, Vertrauen und jeder einzelne kleine, glückliche Moment.

Auch wenn man inzwischen beinahe vom Filmkunstgenre der Sterbekomödie sprechen könnte – dieser Film bedient keinen Trend, sondern er steht ganz selbstbewusst für sich, als Entwicklungsdrama und als makabre Komödie. Die literarische Vorlage ist eher ein Jugendroman als ein Sterbedrama. Hier wird eine wirklich starke Geschichte authentisch auf die Leinwand gebracht, die genauso frech und rotzig, so sensibel und leidenschaftlich ist wie die jungen Protagonisten. Das Ergebnis ist literarisch und künstlerisch sehr präsentabel, mit einer Bildsprache, die das Auge erfreut und genau ins Herz zielt, ohne das Hirn auszuschalten, und mit einer Handlung, die zwischen knallhartem Realismus und herber Symbolik wechselt. Vor allem aber wird eine unvergleichliche Stimmung geschaffen, die erfüllt ist von Hoffnung.


     

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