Gloria & Gloriette - Die Kamera










Zu Ende ist alles erst am Schluss





OT: Les Souvenirs
Frankreich 2014
Regie: Jean-Paul Rouve
Buch: David Foenkinos, Jean-Paul Rouve, nach einem Roman von David Foenkinos
Darsteller: Michel Blanc, Annie Cordy, Mathieu Spinosi, Chantal Lauby, William Lebghil, Audrey Lamy

Romain (Mathieu Spinosi) ist mal wieder zu spät: diesmal ist es die Beerdigung seines Großvaters, zu der er erst im letzten Moment erscheint. Während seine geliebte Großmutter Madeleine (Annie Cordy) Verständnis für den Neffen hat, der auch mit Mitte 20 noch wenig Vorstellung davon hat, was er im Leben will, wird sein Vater Michel (Michel Blanc) zunehmend ungeduldig mit dem Junior. Der studiert vor sich hin, denkt vage daran, Schriftsteller zu werden und beginnt bald einen Job als Nachtportier in einem Hotel.
Während Romain noch am Anfang seines beruflichen Lebens steht, geht sein Vater in Pension: Als Postbeamter hat er gearbeitet und es am Ende immerhin zum Filialleiter gebracht. Nun ist er pensioniert und hat plötzlich so viel Freizeit, dass er merkt, wie sehr sich seine Frau Nathalie (Chantal Lauby) von ihm entfernt hat. Und auch die Großmutter macht Sorge: Widerwillig zieht sie in ein Seniorenheim um, aus dem sie bald ausreißt - eine Karte bringt Romain auf ihre Spur. Er folgt seiner Großmutter in den Ort ihrer Geburt, wo sich die Kreise schließen.
„Zu Ende ist alles erst am Schluss“ beginnt mit einer Beerdigung und endet mit einer, was nicht nur die Geschichte zurück an ihren Ausgangspunkt bringt, sondern vor allem die Zirkularität des Lebens betont. Fast schon zu perfekt ist das Drehbuch, das Rouve zusammen mit dem Autor der Romanvorlage David Foenkinos geschrieben hat. Das Hauptthema des Films – die Suche nach dem ganz persönlichen Lebensinhalt – treibt alle drei Hauptfiguren um und wird in den Nebenfiguren noch variiert: Ein Freund von Romain sucht auf unterschiedliche Weisen nach der perfekten Frau und sorgt ebenso für komische Momente wie Romains Chef im Hotel, der seinen in Australien lebenden Sohn schon Jahre nicht gesehen hat.
Die Grundstimmung von Rouves Film ist jedoch melancholisch, allerdings eher Melancholie der sanfteren Art, der leicht mit einer gewissen Oberflächlichkeit verwechselt werden könnte, womit man der subtilen Erzählung aber unrecht tun würde. Wie die drei Hauptfiguren und die diverse Nebenfiguren ineinander greifen, Themen variiert und mal ernster, mal komischer angerissen werden, das ist hohe Drehbuchschule. Angesichts dieser Qualitäten zeigt sich dann einmal mehr, dass es nicht darauf ankommt was erzählt wird, sondern wie es erzählt wird. Leicht hätte diese Konstellation, die generationenübergreifende Sinnsuche ins Banale abdriften können. Doch Rouve gelingt es, dem Bekannten Neues abzugewinnen und einen leichten, aber alles andere als seichten Film zu drehen.
Michael Meyns


     

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