Gloria & Gloriette - Die Kamera










Psychoanalyse & Film

Der Titel dieser Filmreihe ist durchaus programmatisch: Psychoanalytiker und Psychoanalytikerinnen kommentieren Filme.
In langjähriger Tradition präsentieren wir monatlich einen ausgewählten Film ihrer Wahl. Unter psychologischen und -analytischen Gesichtspunkten werden die Filme von den Expertinnen und Experten betrachtet und vorgestellt. Der kurzen Einführung direkt vor Filmstart folgt im Anschluss an die Vorstellung eine ausführliche Analyse und die meist rege Diskussion mit dem Publikum.

Programmübersicht & Filmbeschreibungen:

Termin & Spielzeit Filmtitel & Referent
31.01.2018, 20:00 Uhr Die andere Seite der Hoffnung
Migration: Fremdheit - Traum - Neubeginn?
vorgestellt von M. Fritzsche
28.02.2018, 20:00 Uhr Ghost in the Shell
Die Suche nach der Seele in der Welt der Cyborgs
vorgestellt von L. Janus
28.03.2018, 20:00 Uhr Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück
Eine Familie gegen die Welt
vorgestellt von R. Zimmer
25.04.2018, 20:00 Uhr Paterson
Alltag und zyklische Zeit. Ein Film gegen die Beschleunigung der Spätmoderne
vorgestellt von G. Schneider
30.05.2018, 20:00 Uhr 24 Wochen
Eine schmerzhafte Entscheidung zwischen Mut, Zuversicht und Verzweiflung
vorgestellt von E. Tilch-Bauschke
27.06.2018, 20:00 Uhr Körper und Seele
Träumen im Schlachthaut. Eine poetische Liebesgeschichte
vorgestellt von B. Banholzer
Juli & August Sommerpause
26.09.2018, 20:00 Uhr The Circle
Orwell in Zeiten von Big Data
vorgestellt von H. Däuker
31.10.2018, 20:00 Uhr Wild
Wolf meets Girl. Eine verstörende Obsession
vorgestellt von S. Ameskamp
28.11.2018, 19:30 Uhr Manchester By The Sea
Eine schwere Traumatisierung, ihre Folgen und Versuche einer Heilung
vorgestellt von R. Reffert

 




24 Wochen

Deutschland 2016
Regie: Anne Zohra Berrached
Darsteller: Julia Jentsch, Bjarne Mädel, Emilia Pieske, Johanna Gastdorf, Maria Dragus, Mila Bruk, Sabine Wolf, Karina Plachetka

Berlinale 2016: Gilde Filmpreis
Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern 2016: NDR-Regiepreis, Förderpreis der DEFA-Stiftung, Publikumspreis

Ein Film mit großer Strahlkraft und voll emotionaler Wucht: Die Geschichte von Astrid, die sich entscheiden muss, ob sie ein wahrscheinlich schwerbehindertes Kind zur Welt bringen will, ist nicht nur herausragend gespielt, sondern in der Verbindung von Spielfilm, Improvisation und Dokumentation ein extrem intensives Werk, das viele Fragen stellt und nur einige beantworten kann. Julia Jentsch und Bjarne Mädel spielen als Paar überragend natürlich und authentisch, jeder für sich und beide gemeinsam. Sie werden unterstützt von einer überaus beweglichen Kamera und von einer Regie, die mehr beobachtet als dirigiert. Weder tränenselig noch schnulzig, geht der Film absolut unter die Haut und ans Herz. (programmkino.de)



Captain Fantastic

USA 2015
Regie: Matt Ross
Darsteller: Viggo Mortensen, Frank Langella, George MacKay, Samantha Isler, Annalise Basso, Nicholas Hamilton, Shree Crooks, Charlie Shotwell, Ann Dowd, Erin Moriarty, Missi Pyle, Kathryn Hahn, Steve Zahn, Elijah

Eine Utopie, die in der Gegenwart spielt ist Matt Ross' „Captain Fantastic“, ein Film über eine Außenseiterfamilie, der die Grenzen der Individualität auslotet. Viggo Mortensen brilliert einmal mehr als Vater, der seine sechs Kinder fern der Zivilisation zu frei denkenden, autarken Personen erziehen will, dabei aber übersieht, dass er zunehmend einem Sektenanführer ähnelt.

Geschickt schleichen sie durchs Unterholz, die Haare wild, die Gesichter mit bunter Kriegsbemalung verziert. Wie ein Spiel im Ferienlager wirkt es, was die sechs Kinder Bodevan, Kielyr, Vespyr, Rellian, Zaja und Nai hier machen, bis sie einen Hirsch erlegen und fachkundig ausnehmen. Etwas später sitzt das Sextett zusammen mit seinem Vater Ben (Viggo Mortensen) um das Lagerfeuer und diskutiert Themen, die von Philosophie bis Quantenphysik reichen. Nein, diese Familie ist alles andere als gewöhnlich. Abseits der Zivilisation hat Ben zusammen mit seiner Frau Leslie (Trin Miller) ein Idyll geschaffen, hat seine Kinder zu frei denkenden, unabhängigen Menschen erzogen, die nicht den Versuchungen des Konsum-Kapitalismus huldigen, die nicht Weihnachten feiern, sondern den Noam-Chomsky-Tag zelebrieren, die Nike nicht für eine Schuhmarke, sondern für die griechische Göttin des Sieges halten. Doch das Idyll droht zu scheitern: Leslie hat nach langer Krankheit Selbstmord begangen und soll entgegen den Wünschen ihres Testaments nach christlichem Ritus begraben werden. Zudem droht ihr Vater (Frank Langella), der seinen Schwiegersohn für die Krankheit seiner Tochter verantwortlich gemacht hat, das Sorgerecht für die scheinbar verwilderten Kinder einzuklagen. Um den letzten Wunsch seiner Frau zu erfüllen, verlässt Ben zusammen mit den Kindern dennoch ihr Idyll - und muss erleben, wie seine Kinder mit der normalen Welt konfrontiert werden... (programmkino.de)



Die andere Seite der Hoffnung

Finnland 2017
Regie: Aki Kaurismäki
Darsteller: Sherwan Haji, Sakari Kuosmanen, Ilkka Koivula, Janne Hyytiäinen, Nuppu Koivu, Kaija Pakarinen, Niroz Haji, Simon Hussein Al-Bazoon

Mit nostalgischem Interieur und satten Farben wirken die Filme von Aki Kaurismäki und die skurrilen Typen, die darin walten, wie aus der Zeit gefallen. Mit „Le Havre“ startete der Finne 2011 seine „Hafen-Trilogie“ über das globalisierte Europa, wo er mit der Freundschaft eines Schuhputzers zu einem Flüchtlingsjungen auf die politische Wirklichkeit Bezug nahm. Seine neue Tragikomödie „Die andere Seite der Hoffnung“ knüpft hier an, diesmal kommt der Flüchtling aus Syrien und lernt in Helsinki einen Restaurantbesitzer kennen. Die gesellschaftliche Bestandsaufnahme kombiniert Kaurismäki mit seinem ureigenen lakonischen Tonfall und dem vielfältigen Humor. Auf der 67. Berlinale lief der Film im Wettbewerb und Kaurismäki erhielt völlig berechtigt den Silbernen Bären als Bester Regisseur. (programmkino.de)



Ghost in the Shell

USA, GB 2016
Regie: Rupert Sanders
Darsteller: Scarlett Johansson, Pilou Asbæk, Takeshi Kitano, Juliette Binoche

“Ghost in the Shell” ist die Live-Action-Adaption des gefeierten gleichnamigen Kult-Anime von Mamoru Oshii, der auf einer Manga-Vorlage von Masume Shirow basiert. Die Geschichte spielt in einer dystopischen Zukunft, in der die meisten Menschen ihre Körperteile mit künstlichen Elementen ersetzt haben und so zu Cyborgs geworden sind. Das menschliche Gewebe in ihnen reduziert sich meist auf einen Teil des Gehirns, der ihre Persönlichkeit enthält. Diese Zellen werden “Ghost” genannt und sind sozusagen die menschlichen Elemente in der künstlichen “Shell”. Diese Voraussetzungen sind bestens für terroristische Hacker-Angriffe geeignet und so gelingt es einer mysteriösen Entität, in die Ghosts einzudringen und die Menschen unter seine Kontrolle zu bringen.

Um diesen Feind dingfest zu machen, schickt die Regierung eine Spezial-Einheit, die Section 9, auf die Jagd nach dem Angreifer. Anführerin dieses Kommandos ist der Cyborg Major (Scarlett Johanson), die nach einem Unfall zu einer Kampfmaschine umgebaut wurde. Auf der Jagd nach dem Terroristen bekommt Major Zweifel an ihrer Mission und hinterfragt ihre bisherige Existenz. (kino.de)



Körper und Seele

Ungarn 2017
Regie: Ildikó Enyedi
Darsteller: Alexandra Borbély, Géza Morcsányi, Réka Tenki

Berlinale 2017: Goldener Bär

Was für eine Liebesgeschichte – verhalten und doch romantisch, langsam und doch packend, märchenhaft und doch realistisch. Und das an einem Ort, wo Liebe gar nicht möglich scheint: in einem Schlachthof, diesem archaischen, blutgetränkten Ort, in dem es so pragmatisch zugeht und gewissenhaft die Vorschriften beachtet werden. Die ungarische Regisseurin Ildikó Enyedi („Mein 20. Jahrhundert“) zeigt darum zunächst, was das bedeutet: Rinder werden in einem Eisengitter festgezurrt, getötet, ausgeblutet, gehäutet, zerschnitten. Authentische, manchmal schwer zu ertragende Bilder, die im Gegensatz zum idyllischen Beginn des Films stehen. Da schweift ein Hirsch mit großem Geweih durch einen schneebedeckten Wald, säuft an einem Fluss und erblickt eine Hirschkuh, der er sich kaum zu nähern traut.

Die eigentliche Handlung kommt in Gang, als Maria (Alexandra Borbély), die neue Qualitätskontrolleurin, ihre Arbeit im Schlachthof antritt. Eine eigentümliche Frau, das sieht Endre (Géza Morcsányi), Leiter des Schlachthofes, sofort: Steif, fast roboterhaft, mit unbewegtem Blick sucht sie einen unbesetzten Tisch in der Kantine, spricht mit niemandem, meidet jeden Kontakt mit den Kollegen, bleibt unzugänglich und kühl. Und doch ist sie von einer elfenhaften Schönheit, die Endre nicht verborgen bleibt. Dann kommt durch einen Zufall – nach einem Diebstahl befragt eine Psychologin mehrere Mitarbeiter – heraus, dass Endre und Maria in der Nacht zuvor dasselbe geträumt haben, einen Traum, den der Zuschauer bereits kennt: Ein Hirsch trifft in einem verschneiten Wald eine Hirschkuh. Endre versucht den Vorfall herunterzuspielen, doch weil sich die Träume auch in den folgenden Nächten gleichen, kann man sie nicht einfach ignorieren. Langsam, sehr langsam kommen sich Endre und Maria, zwei Menschen mit großen Wunden auf der Seele, näher. (programmkino.de)



Manchester By The Sea

USA 2016
Regie & Buch: Kenneth Lonergan
Darsteller: Casey Affleck, Lucas Hedges, Kyle Chandler, Michelle Williams, Matthew Broderick, Gretchen Mol

Wenn du alles gibst und die, die du liebst, doch nicht beschützen kannst… was macht das mit dir - als Mensch? Lee Chandler (Casey Affleck) ist ein schweigsamer Einzelgänger, der als Handwerker eines Wohnblocks in Boston arbeitet. An einem feuchtkalten Wintertag erhält er einen Anruf, der sein Leben auf einen Schlag verändert. Das Herz seines Bruders Joe (Kyle Chandler) hat aufgehört zu schlagen. Nun soll Lee die Verantwortung für seinen 16-jährigen Neffen Patrick übernehmen. Äußerst widerwillig kehrt er in seine Heimat, die Hafenstadt Manchester-by-the-Sea, zurück. Doch ist Lee dieser Situation und den neuen Herausforderung gewachsen? Kann die Begegnung mit seiner (Ex-)Frau Randi (Michelle Williams), mit der er einst ein chaotisches, aber glückliches Leben führte, die alten Wunden der Vergangenheit heilen?

Kenneth Lonergan erzählt in ruhigen und starken Bildern mit einem herausragenden Casey Affleck, in der Rolle des Lee Chandler, wie es ist, wenn normalen Menschen schier unfassbares passiert.

(Universal Pictures Germany)


Paterson

USA 2016
Regie: Jim Jarmusch
Darsteller: Adam Driver, Golshifteh Farahani, Kara Hayward

PATERSON erzählt die Geschichte des Busfahrers Paterson, der genauso heißt wie der Ort, in dem er lebt. Die Kleinstadt in New Jersey und ihre eigentümlichen Bewohner sind die Inspiration für seine Gedichte, die er Tag für Tag in der Mittagspause auf der Parkbank verfasst. Die Welt seiner Frau Laura dagegen ist im ständigen Wandel. Fast täglich hat sie neue Träume, jeder einzelne von ihnen ein anderes, inspirierendes Projekt. Paterson liebt Laura und sie ihn. Er unterstützt ihre neugefundenen Ambitionen und sie bewundert seine Gabe für Poesie.

Der neue Film von Kultregisseur Jim Jarmusch widmet sich mit viel Liebe zum Detail und gewohnt lakonischem Humor seinen skurrilen Figuren, allen voran dem von Shootingstar Adam Driver verkörperten Feingeist Paterson. Durch maximalen Minimalismus gelingt Jarmusch ein buchstäbliches Gedicht von einem Film. (Weltkino)



The Circle

USA/UAE 2017
Regie: James Ponsoldt
Darsteller: Emma Watson, Tom Hanks, Karen Gillan, u.a.

Die 24-jährige Mae Holland (Emma Watson) ist überglücklich. Sie hat einen Job in der angesagtesten Firma der Welt ergattert: beim „Circle“, einem Internetkonzern, der alle Kunden mit einer einzigen Internetidentität ausstattet, über die alles abgewickelt werden kann. Mae stürzt sich voller Begeisterung in die schöne neue Welt mit ihren lichtdurchfluteten Büros und High-Class-Restaurants, Gratis-Konzerten und coolen Partys. Während sie innerhalb der Firma immer weiter aufsteigt, wird sie vom charismatischen Firmengründer Eamon Bailey (Tom Hanks) ermutigt, an einem für den „Circle“ bahnbrechenden Experiment teilzunehmen. Die Teilnahme an dem Experiment und ihre Entscheidungen zugunsten des „Circles“ beeinflussen zunehmend das Leben und die Zukunft ihrer Freunde und Familie. Und dann ist da auch noch ihr mysteriöser Kollege Kalden (John Boyega)…
(Universum Film)



Wild

Deutschland 2014
Regie: Nicolette Krebitz
Darsteller: Lilith Stangenberg, Georg Friedrich, Silke Bodenbender, u.a.

Es beginnt höchst unscheinbar: In einer gesichtslosen Stadt im Osten Deutschlands, arbeitet Ania (Lilith Stangenberg), ein duckmäuserisches Mauerblümchen, in einem austauschbaren Unternehmen. Tag für Tag fährt sie aus der Plattenbausiedlung mit der Bahn in die Firma, sitzt am Computer, holt ihrem Chef Boris (Georg Friedrich) Kaffee und ist eigentlich nicht wirklich da. Wenn ihre Kollegen beim Betriebsfest ausgelassen feiern, sitzt Ania still und einsam am Fenster und schaut in den Regen.

Doch dann passiert etwas, das ihre gesamte Existenz auf den Kopf stellt: Sie sieht einen Wolf, ganz kurz nur, aus dem Bus heraus, da sitzt das Tier würdevoll am Rand des Parks. Einen Blick nur tauschen Frau und Tier aus, ein Blick, der alles ändert. Ania versucht das Tier einzufangen, lockt es mit Fleischstücken, später mit lebenden Hasen und quartiert den Wolf schließlich in ihrer Wohnung ein. Zunehmend lässt sie sich gehen, zieht nicht mehr ihre langweilige Kleidung an, sondern bewegt sich fast nackt durch die Wohnung und die Welt. Eine ungewöhnliche, zärtliche Beziehung zwischen Tier und Mensch entsteht, die das ebenso geordnete, wie langweilige Leben Anias für immer aufbricht. (programmkino.de)



GLORIA FTB GmbH, Heidelberg. Alle Angaben ohne Gewähr. Änderungen (auch Saaltausch) vorbehalten. 


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