Gloria & Gloriette - Die Kamera










Psychoanalyse & Film

Der Titel dieser Filmreihe ist durchaus programmatisch: Psychoanalytiker und Psychoanalytikerinnen kommentieren Filme.
In langjähriger Tradition präsentieren wir monatlich einen ausgewählten Film ihrer Wahl. Unter psychologischen und -analytischen Gesichtspunkten werden die Filme von den Expertinnen und Experten betrachtet und vorgestellt. Der kurzen Einführung direkt vor Filmstart folgt im Anschluss an die Vorstellung eine ausführliche Analyse und die meist rege Diskussion mit dem Publikum.

Programmübersicht & Filmbeschreibungen:

Termin & Spielzeit Filmtitel & Referent
Juli & August 2017 Sommerpause
27.09.2017, 20:00 Uhr Kriegerin
Frauen und Gewalt in der rechtsextremen Szene
vorgestellt von D. Nakhla
25.10.2017, 20:00 Uhr Lou Andreas-Salomé
Rebellin und intellektuelle Femme fatale. Zur Psychodynamik der Protagonistin
vorgestellt von C. Pop
29.11.2017, 20:00 Uhr Timbuktu
Ein poetischer Film gegen den Dschihad
vorgestellt von G. Krauss

 




Kriegerin

Deutschland 2011
Regie & Drehbuch: Davin Wnendt
Darsteller: Alina Levshin, Sayed Ahmad, Jella Haase, Winnie Böwe, uva.
Kamera: Jonas Schmager
Länge: 102 Minuten
Ein junges Mädchen erhält Unterricht im Überlebenstraining am Meer. Der geliebte Großvater lässt sie einen mit Sand gefüllten Rucksack schleppen. Auf eine Frage seiner Enkelin nach der Zeit im Zweiten Weltkrieg und den Verbrechen an Unschuldigen reagiert er eindeutig: Es seien die Juden, die noch immer die Fäden ziehen. Der Keim ist gelegt. Jahre später ist Marisa in einer rechtsradikalen Clique und trägt passende Tattoos. Prügelt in der U-Bahn mit beim „Ausländerklatschen“. Die Liebesakte mit ihrem Freund aus dieser Clique sind von einer ebenso aggressiven Radikalität geprägt. Lediglich gegenüber ihrem Großvater im Krankenhaus verhält sie sich zärtlich und sensibel. Dies zeigt, dass sie auch verletzlich ist und nicht nur verroht, nicht nur angeblich frei von jedweden Schuldgefühlen. Das ist ein Teil des roten Fadens im Film der Protagonistin Marisa.
Es ist schwer, nicht hineingezogen zu werden in diesen Film. Mit größter Genauigkeit stellt er die Verrohung und Distanzlosigkeit einer Horde von jungen Erwachsenen im rechtsradikalen Milieu in einer beliebigen ostdeutschen Kleinstadt dar. Wie selbstverständlich tragen sie in ihrer eindimensionalen Welt ihren Hass und ihre Wut nach innen in der Gruppe und nach außen auf alles und jeden aus. Diese Welt erscheint im Film statisch und unveränderbar.
Marisas Geschichte wird jedoch von einem Ereignis geprägt, das sie verändern wird. In ihrer Wut drängt sie zwei Asylanten auf ihrem Moped in den Straßengraben. Nur einer, Rasul, scheint überlebt zu haben. Er sucht Unterstützung bei ihr zum Untertauchen und zur Flucht. Ihr zum Idol erhobener Großvater stirbt und sie erfährt von ihrer Mutter, dass er mitnichten ihrem Idealbild entspricht. Im Film unaufdringlich motiviert, verändert sich ihre Einstellung auf ihre bisherigen eindeutigen Zuordnungen. Die gleiche Brutalität, die sie als „Kriegerin“ eingesetzt hat, zeigt sie nun gegenüber denen, die sie verletzt haben, in ihrer Gruppe und ihrem Freund. „Man muss für alles bezahlen und gerade stehen für den Dreck, den man gemacht hat“. Ein Spruch ihres Großvaters als Lebensweisheit, der nun mit bitterer Konsequenz für sie eingelöst wird. Q: FBW

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Ausgezeichnet mit dem FBW-Prädikat: Besonders wertvoll


Lou Andreas-Salomé

Deutschland, Österreich 2016
Regie: Cordula Kablitz-Post
Darsteller: Katharina Schüttler, Katharina Lorenz, Petra Morzé, Alexander Scheer, Harald Schrott, Julius Feldmeier, Peter Simonischek

Der immense Einfluss von Friedrich Nietzsche und Siegmund Freud auf die westliche Kulturlandschaft steht außer Frage. Allerdings wissen nur wenige, dass es eine Frau war, die das Schaffen dieser und anderer Denker des Fin de Siècle wesentlich mitprägte: Lou Andreas-Salomé. Die Regisseurin Cordula Kablitz-Post widmet der Schriftstellerin, Lyrikerin und Philosophin nun eine Hommage, die mit einem starken Ensemble und erzählerischer Leichtigkeit überzeugt.

Zum Verdruss ihrer konservativen Mutter strebte die 1861 in Sankt Petersburg geborene Lou Andreas-Salomé schon in ihrer Jugend ein Leben in völliger Selbstbestimmung an, wobei die geistige Weiterentwicklung für sie an oberster Stelle steht. Für eine Frau war das seinerzeit natürlich weder erwünscht, noch üblich, doch Lou verfügt über einen starken Willen. Um ihr Ziel zu erreichen, entsagt sie der der körperlichen Liebe, damit die Herren der Schöpfung sie nicht vorrangig als Frau, sondern als kritischen Geist wahrnehmen. Ihr Streben führt Lou an die Universität in Wien, wo sie die Philosophen Paul Rée (Philipp Hauß) und Friedrich Nietzsche (Alexander Scheer) kennenlernt, die beide von ihrer Ausstrahlung fasziniert sind und vergebens um sie buhlen. Liebe kommt für Lou erst ins Spiel, als sie den jungen Dichter Rainer-Maria Rilke (Julius Feldmeier) kennenlernt und ihre selbstauferlegte Enthaltsamkeit über Bord wirft...(programmkino.de)



Timbuktu

Mauretanien, Frankreich 2014
Regie: Abderrahmane Sissako
Darsteller: Ibrahim Ahmed, Toulou Kiki, Abel Jafri, Fatoumata Diawara, Hichem Yacoubi, Kettly Noel

Kidane lebt friedlich mit seiner Frau Satima, seiner Tochter Toya und Issan, einem kleinen, 12 Jahre alten Hirtenjungen in den Dünen, nicht weit von Timbuktu, das in die Hände religiöser Fundamentalisten gefallen ist. In der Stadt erdulden die Einwohner ohnmächtig das Terrorregime, das von den Dschihadisten eingesetzt wurde, um ihren Glauben zu überwachen. Musik, Gelächter, Zigaretten und sogar das Fußballspielen wurden verboten. Die Frauen sind zu Schatten geworden, die versuchen, würdevoll Widerstand zu leisten.

Jeden Tag werden von auf die Schnelle eingesetzten Tribunalen tragische und absurde Strafen ausgesprochen. Kidane und seine Familie bleiben von dem Chaos in Timbuktu verschont. Aber ihr Schicksal ändert sich, als Kidane aus Versehen Amadou tötet, einen Fischer, der seine Lieblingskuh „GPS“ schlachtete. Nun muss er sich den neuen Gesetzen der ausländischen Besatzer stellen. (Arsenal Filmverleih)



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